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Tag 18 - Auf den Kopf gestellt

Hab ich eigentlich schon mal gesagt, dass ich Herausforderungen liebe?? ;-) Als ich Marketingleiterin der kleinen Hotelgruppe war, wurden PC-Kurse für Senioren in einem der Hotels angeboten. Eine Woche mit halbtags Unterricht, den Rest des Tages zur freien Verfügung. Den Teilnehmern hatte es immer sehr gut gefallen, doch irgendwie wurden die Kurse nicht voll. Die bisherigen Organisatoren standen vor einem Rätsel und wollten aufgrund der schlechten Resonanz die Kurse streichen.

 

Mir war das zu einfach gedacht und ich schaute mir das Ganze an. In einem Flyer wurden die einzelnen Kurswochen in den verschiedenen Stufen, Anfänger, Fortgeschritten 1, Fortgeschritten 2 und Fotobearbeitung mit dem jeweiligen Kursdatum aufgeführt. Der Flyer wurde an ziemlich viele Interessenten verschickt, doch meldete sich nur ein kleiner Bruchteil an. Ich bin davon ausgegangen, dass die Interessenten gerne gekommen wären, aber wahrscheinlich das Kursdatum nicht gepasst hat und deshalb der Flyer in den Müll gewandert ist.

 

Also haben wir den kompletten Organisationsprozess auf den Kopf gestellt:

Wir haben in unserem Flyer nur noch die Wochen eingetragen, in denen grundsätzlich ein Kurs geplant war. Wann genau welcher Kurs laufen sollte, wussten wir zu Beginn nicht. Unser Kursangebot blieb anfänglich unverändert: Anfänger, F1, F2 und Foto. Wenn ein Interessent nun wissen wollte, in welcher Kurswoche genau z.B. ein F1-Kurs stattfand, musste er anrufen. Wir fragten den Interessenten, wann er denn Zeit hätte und machten dann diese Kurswoche zu einem F1-Kurs oder wir nannten ihm andere Wochen, an denen sich schon andere F1-Interessenten angemeldet hatten.

 

Dieses Prozedere war zwar beratungsintensiver, als einfach nur Flyer raus zu schicken, jedoch deutlich effektiver. Wir kamen dadurch viel besser in Kontakt mit den Interessenten und konnten Kombinationen durchführen, die wir gar nicht hätten planen können. So hatten wir die Möglichkeit, z.B. in einer Woche einen Anfänger und einen F1-Kurs laufen zu lassen – die Kurse liefen ja immer halbtags im Wechsel – und vielleicht in der Woche danach einen F1- und Foto-Kurs. Der eine Ehepartner machte den Anfänger-Kurs in der ersten Woche und den F1-Kurs in der zweiten Woche. Der andere Ehepartner machte den F1-Kurs und danach den Foto-Kurs.

 

Ich gebe zu, meine Assistentin und ich hatten ziemliches Muffensausen, davor wir die ersten Flyer raus geschickt haben, ob denn alles auch so funktioniert, wie wir uns das überlegt hatten. Und es hat funktioniert! Der Erfolg gab uns Recht. In unserem besten Jahr hatten wir 245 Teilnehmer und hatten in allen Jahren nur 2 Interessenten, für die wir keinen passenden Termin gefunden haben, einen glücklichen Dozenten und einen noch glücklicheren Hoteldirektor, weil wir keine Zimmer mehr stornieren mussten. J

 

Wenn bei Dir ein Angebot nicht läuft, versuche Dich in den Gast hineinzuversetzen und zu überlegen, was der Grund dafür sein könnte, dass er Dein Angebot nicht annimmt. Ändere es und habe den Mut es auszuprobieren! Du kannst nur gewinnen, wenn Du es probierst.